Dienstag, 1. September 2015

RetroMeinung: Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots

 



Nachdem ich doch mit MGS3 sehr viel Spaß hatte, habe ich nun endlich den vierten Teil beendet - und dieser hat mir doch um einiges weniger gut gefallen als sein Vorgänger. Auf die Story - die angeblich große Stärke dieses Teils - sei von mir nur so viel gesagt: die ganze Story in MGS4 war mir einfach zu "abgefuckt" und die Zwischensequenzen sind im Schnitt so lang, dass meine Aufmerksamkeit bei den elend langen Dialogen und Rückblenden regelmäßig verloren ging. Dabei gibt es immer wieder tolle und auch sehr emotionale Charaktermomente, aber es überwiegen Klischees, peudointellektuelles HighTech-Geschwafel und es fehlt durchweg eine pointierte und handwerklich gute Erzählweise und -Struktur. "Solid Snake" bzw. mittlerweile "Old Snake" bleibt als Charakter flach und bietet für mich kaum Identifikationsflächen.


Auf der anderen Seite: die MGS-Reihe war storymäßig schon immer recht "cheezy" und "japanisch". Ich bin nicht der größte Fan von japanischem Storytelling und daher wohl auch besonders kritisch, trotzdem habe ich MGS4 durchgespielt und hatte auch durchaus meinen Spaß daran. Aber es hätte so viel besser sein können ...
Ohne Aufputschmittel kaum zu ertragen: die Zwischensequenzen!
 
Die Bosskämpfe - sonst immer eine große Stärke der MGS-Reihe - schwächeln hier ganz besonders. Dieses mal tritt man gegen die B&B's an (Beauty & Beasts), Topmodels in hautengen Latex-Anzügen, die man im ersten Schritt erst mal aus ihrer biestigen Hightech-Kampfmontur herausschießen muss. Danach räkeln sich die Mädels lasziv auf dem Boden, die Kamera fokussiert die hauteng eingepackten weiblichen Rundungen, und man darf die Mädels dann entweder betäuben oder abknallen. MGS4 versucht die Bossmechaniken wieder interessant zu präsentierten, so kann sich eine B&B-Inkarnation tarnen, die andere kann mich im Schneesturm per Geruchsinn orten oder per "Voodoo"-Puppe kontrollieren. Alles durchaus nett gemacht, aber irgendwie hatten die Vorgänger hier größere Highlights zu bieten. Außerdem ist mir das B&B-Thema zu pubertär präsentiert, was mir die Atmosphäre jedes Mal zerschossen hat. Ich habe nichts gegen sexy Frauen in Spielen, Eva hat mir in MGS 3 zum Beispiel richtig gut gefallen, aber ihre Figur war eben auch eine schöne Hommage an die Bond-Girls. In MGS4 ist mir dieser Sexappeal einfach zu flach und zu aufdringlich ins Spiel integriert. Ach ja, dann gibt es ja noch den letzten Endkampf, der weder spektakulär noch besonders Anspruchsvoll daherkommt. Das hat dann den eh schon enttäuschenden Bosskämpfen in MGS4 den letzten Rest gegeben.
 
Das Gameplay an sich bietet MGS-Standardkost, aufgelockert wird es durch Fahrzeugpassagen á la Call of Duty: hier darf ich dann während der Fahrt mit einem fest montierten MG alles platt schießen, was mir vor die Flinte läuft. Anfangs findet man sich leider zu oft in großen Kriegsauseinandersetzungen wieder, auch nicht unbedingt das, was ich erwartet habe. Aber ich möchte fair bleiben: später liefert MGS4 anspruchsvolle Schleich-Passagen die durch das große Repertoire an Gadgets auch wieder richtig Laune gemacht haben. Trotzdem wirkt die Steuerung selbst für ein Spiel aus dem Jahr 2008 an vielen Stellen antiquiert, das unrühmlichste Highlight ist aber wohl das komplett nicht funktionierende Deckungssystem, das ich nur noch einem Spiel aus der PS2-Ära verzeihen würde. Dann werden aber auch Spielelemente aus dem Vorgänger aufgegriffen und gnadenlos toll modernisiert, wie zum Beispiel die automatische Camo-Suite, welche die Texturen der Umgebung annimmt, die man gerade berührt und damit den Tarnwert erhöht - tolles Feature!
 
MGS4 hat ja anno 2008 teilweise echte Traumwertungen kassiert, sieben Jahre später erschließt sich mir dieses große Lob nicht mehr. Ob ich damals zum Release des Spiels als MGS-Fan genauso positiv über das Spiel gedacht hätte? Ich weiß es nicht genau, vermutlich hätte mich die schiere Länge der Zwischensequenzen damals auch vom Hocker gehauen, in den letzten Jahren hat sich aber gerade auch beim Storytelling in Spielen sehr viel getan, hier ist MGS4 sicherlich sehr schlecht gealtert, aber es hat sicherlich auch mit dafür gesorgt, dass Geschichten in Spielen heute besser erzählt werden.
 
Ich werde jedenfalls die MGS-Spiele weiterspielen. Als nächstes stehen Metal Gear Rising: Revengeance und MGS: Peace Walker sowie Ground Zeroes auf dem Plan. Das in diesen Tagen erscheinende Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain werde ich aber noch etwas in den Händlerregalen stehen lassen. Zulegen werde ich es mir aber bestimmt, wenn ich dann irgendwann soweit bin.

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Spieleinfos:
Genre: Stealth-Action
Entwickler: Kojima Productions
Publisher: Konami
Plattformen: Playstation 3 (Release: 12.06.2008)
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