Donnerstag, 27. August 2015

Meinung: Ryse - Son of Rome

 

Gestern frisch auf der Xbox One durchgespielt: Ryse - Son of Rome. Trotz verhaltener Wertungen habe ich mir den Titel vor einigen Wochen mal zum Budget-Preis zugelegt. Ich hab mir gedacht: "So ein schöner Grafikblender für Zwischendurch geht immer." Damit ist dann auch eigentlich alles zu Ryse gesagt. Naja, ein paar Worte mehr gehen dann doch schon. Wie das Cover erahnen lässt spielt Ryse im alten Rom, in dem der Held Marius entlang einer Rachegeschichte die Hauptrolle spielt.

Ryse setzt ganz und gar auf eine cineastische Inszenierung und sehr lineares Leveldesign ohne Schnick-Schnack aber auch ohne Anspruch; Rätsel im Stile von God of War sucht man hier leider vergeblich. Der Fokus liegt ganz und gar auf dem simplen Kampfsystem, wobei der Kern des Kampfsystems die Quicktime-basierten Hinrichtungen der Gegner sind. Man schlägt also auf die Gegner ein, bis diese bereit zur Hinrichtung sind. Diese löst man dann durch Druck auf den rechten Trigger aus und gelangt in ein Slow-Motion-Hinrichtungsquicktime-Event. Mit dem Steuerkreuz lässt sich vor oder während der Hinrichtung ein Bonus-Modus einstellen, der nach erfolgter Hinrichtung entweder Gesundheit wiederherstellt, mehr XP gewährt, ein Schadensverstärker auslöst oder Fokus-Energie auflädt. Mit letzterer kann man auch außerhalb der Hinrichtungen einen Slow-Motion-Modus auslösen, in welchem die Gegner sich extrem langsam bewegen während unser Held Marius in hoher Geschwindigkeit Angriffe durchführen kann.

Ryse mit Geschnetzeltem vom Fließband.
In ungefähr 6 Stunden lässt sich die Einzelspielerkampagne durchspielen, einen Multiplayer-Modus gibt es auch noch - der interessiert mich hierbei aber herzlich wenig. Wer das Setting mag und nichts gegen simple Action hat kann hier gerne zugreifen. Auch Grafikfetischisten kommen hier auf ihre Kosten, Ryse trumpft nicht nur in einigen Levels mit toller Vegetation auf, sondern auch mit tollen Schauplätzen im antiken Rom (zum Beispiel das Kolosseum oder das Forum Romanum). Als God of War-Freund kommt man hier allerdings nicht auf seine Kosten, dafür spielt sich Ryse einfach zu oberflächlich. Gestört haben mich auch die Gegner: ich nenne diese hier mal liebevoll "Klonbarbaren". Insbesondere in den Hinrichtungen zoomt die Kamera sehr nah ans Geschehen heran und dabei sieht man leider, dass die wenigen Gegnertypen jeweils alle gleich aussehen - das nagt leider stark an der Atmosphäre.
 
Wer auf der Suche nach einem grafischen schönen "Nobrainer" ist, kann sich Ryse zum Budget-Preis gerne mal geben. Ansonsten ist Ryse wie ein römisches Spatha nach der Schlacht: stumpf.
 
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Spieleinfos:
Genre: Hack'n'Slash
Entwickler: Crytek
Publisher: Microsoft
Plattformen: Xbox One (Release: 22.11.2013), Windows PC (Release: 10.10.2014) 
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Mittwoch, 26. August 2015

Meinung: Yoshi's Woolly World



Seitdem wir die WiiU Ende 2013 gekauft haben (damals zusammen mit Super Mario 3D World) fungiert die Konsole bei uns Zuhause als reine Zweispielerkonsole. Neben SM3DW, Mario Kart 8, Rayman Legens, Donkey Kong Country Returns: Tropical Freeze können wir nun Yoshi's Woolly World als Neuzugang in unserer Spielesammlung verzeichnen. Ich war Anfangs etwas skeptisch, ob sich ein weiteres Jump'n'Run für uns lohnt, aber die knuffige Optik hat uns letztendlich zum Kauf animiert. Mittlerweile sind wir in der vierten Welt angekommen und wir können sagen: der Kauf hat sich gelohnt!

 
Nicht nur grafisch ist YWW mit seiner herrlichen Woll-Optik ein purer Genuß ...
 
Nintendo-typisch wandert man über die jeweiligen Weltkarten und erspielt sich immer den Zugang zu dem nächsten Level. In den Levels gibt es typischerweise auch wieder so einiges zu sammeln, zum Beispiel Sonnenblumen, welche - sofern man alle in allen Levels einer Welt eingesammelt hat - Speziallevel freischalten. Außerdem - passend zur Optik - Wollknäule, mit denen man die entführten Yoshis wieder zusammensetzen und sich damit neue Yoshi-Skins freischalten kann. Dazu gibt es Levels mit Zwischen- und Endbossen - soweit also nichts neues in diesen Genregefilden.

Womit das Spiel aber besonders stark punktet, ist das kreative Leveldesign, das später auch durchaus fordernd wird aber nie so schwer wie DKCR: Tropical Freeze. Man verliert keine Leben, dadurch entsteht - besonders im Zweispieler-Modus - kaum Frust. Witzig wird es, wenn man sich gegenseitig auffrisst oder mit den schießbaren Wollknäulen (die man durch das Aufessen und "Verdauen" der Gegner bekommt) "aus Versehen" gegenseitig trifft. Theoretisch können sich vier Spieler - also vier Yoshis - auf dem Bildschirm bewegen, was ich mir dann aber zu chaotisch vorstelle.

Die Yoshis lassen sich hervorragend steuern, die komplette Woll-Grafik wirkt wie aus einem Guss und die Musikstücke der jeweiligen Level passen sich wunderbar an das Level-Thema an und erinnern hier und da an moderne, abgewandelte Fassungen der klassischen Mario-Spiele; zum Beispiel grooved in unterirdischen Levels gerne mal ein dominanter (Slap-)Bass. Das Spiel sorgt immer wieder für Abwechslung durch spezielle Lebelabschnitte: so verwandeln sich die Yoshis mal in Riesenyoshis, in Meerjungfrauen oder Motorräder. In diesen Abschnitten steht man meist unter Zeitdruck und es gilt zusätzlich noch die bekannten Level-Sammelgegenstände zu finden.

Was bleibt mir noch zu sagen? Wer sich mit der wolligen Knuddeloptik anfreunden kann und auf klassische 2D-Jump'n'Runs steht und auch gerne im Zweispieler-Modus spielt, dem möchte ich Yoshi's Woolly World als WiiU-Pflichtkauf ans Herz legen.
 
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Spieleinfos:
Genre: 2D-Jump'n'Run
Entwickler: Good Feel 
Publisher: Nintendo
Plattformen: WiiU (Release: 26.06.2015)
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Dienstag, 25. August 2015

Review: Divinity - Orignal Sin (PC/Mac)



Kurzes Vorwort: Ich habe den Divinity:OS-Blog kurz nach Release des Spiels während meiner ersten Spielstunden begonnen. Meine Zeit hat leider nicht gereicht, den Blog zu beenden, ich habe mich aber entschlossen meine ersten Eindrücke und die grundlegenden Beschreibungen des Charaktersystems trotzdem zu veröffentlichen und noch ein kleines Fazit anzuhängen, denn zum Durchspielen hat die Zeit so gerade eben gereicht ;-).

Vor gut zwei Jahren bin ich auf die Crowdfunding-Plattform "Kickstarter" aufmerksam geworden. Der Grund: die Kickstarter-Kampagne von Obsidian, die ein neues komplexes, partybasiertes PC-Rollenspiel im Geiste von Baldur's Gate entwickeln und sich hierfür die finanziellen Mittel durch Crowdfunding sichern wollten. Die Kampagne bei Kickstarter war ein großer Erfolg und seit diesem Tag freue ich mich auf dieses Projekt - so sehr, dass ein anderes Projekt total an mir vorüber gegangen ist: Divinity - Original Sin. Der belgische Entwickler Larian hat im März 2013 ebenfalls eine Kickstarter-Kampagne gestartet, um das sich zu der damaligen Zeit in Entwicklung befindende Divinity - Original Sin zu erweitern und um mehr Gameplay-Features in das Spiel zu integrieren. Da mich die Larian-Spiele bisher nicht interessierten, ist mir wohl auch die Newsmeldung hierzu total entgangen.
Als ich Anfang Juli 2014 einen Testbericht zu diesem Spiel auf GamersGlobal gelesen habe, war mein Interesse aber schlagartig geweckt und ich habe mir das Spiel umgehend gekauft - soviel vorweg: es hat sich mehr als gelohnt!

Divinity - Original Sin ist ein partybasiertes, isometrisches Rollenspiel mit taktischen Kämpfen, die rundenbasiert ablaufen. Die Gruppe des Spielers fasst maximal vier Charaktere, wobei zwei direkt zu Spielbeginn vom Spieler erschaffen werden müssen (quasi die Hauptcharaktere) und zwei weitere im Laufe des Spiel hinzukommen (wenn man das möchte). Es besteht auch die Möglichkeit, das Spiel nur mit den zwei Hauptcharakteren zu bestreiten (hierzu gibt es ein speziell auswählbares Talent, welches dann die zahlenmäßige Unterlegenheit durch stärkere Charakterboni ausgleicht).

Womit fängt jedes RPG erst mal an? Richtig, mit der Charaktererstellung. Hier kann man schon eine ganze Weile verbringen. Das Erscheinungsbild der Charaktere lässt sich nicht so ausufernd anpassen wie zum Beispiel in Skyrim. Geschlecht, Portraitbild, Kopf, Frisur und Unterhose - das war es, mir hat es gereicht, durch die isometrische Perspektive des Spiels ist die Kamera meist eh nicht so nah an den eigentlichen Charakteren, daher fällt dies kaum ins Gewicht. Viel mehr zählen hier die inneren Werte, also das Charaktersystem, und das ist durchaus komplex.
 

Zwei Hauptcharaktere wollen also erschaffen werden und man kann die gewünschten Klassen nun aus acht Klassen-Archetypen wählen (zum Beispiel Kämpfer, Kleriker, Hexe oder Bezauberer) und sich mit der Archetyp-Skillung zufrieden geben, man kann aber auch das vorhandene Skill-Vorbild selber anpassen oder komplett ändern.

Es fängt an bei den größtenteils klassischen Attributen wie Stärke, Gewandheit, Konsitution oder Intelligenz (wobei Stärke logischerweise für Kämpfer das Hauptattribut ist, während Schurken auf Gewandheit und Klassen mit magischem Schwerpunkt auf Intelligenz setzen).

 

Weiter geht es zu den Fähigkeiten, hier hat der Spieler diverse Möglichkeiten zur Auswahl, am prägendsten für den Charakter ist hier die Auswahl der Fertigkeiten, zum Beispiel Waffenkunde (für Kämpfer), Pyrokinetik (die Feuerzauber-Spezialisierung), Aerothurge (Luftzauberspezialisierung) oder Elite-Bogenschütze. Man kann diese Fertigkeiten kombinieren (als reiner Magier bieten sich auf jeden Fall zwei Magieschulen an, ein Kämpfer kann aber auch eine Magieschule lernen, was man aber wiederum bei der Attributverteilung beachten sollte, denn ein Kämpfer mit hoher Stärke und wenig Intelligenz bekommt einen Malus auf alle Zauber, die er wirken möchte. Trotzdem: die Möglichkeiten sind mannigfaltig und es gibt bei einigen Fertigkeitskombinationen schöne Synergieeffekte. Weiterhin findet man unter den Fähigkeiten die Möglichkeit sein Charisma zu steigern (was im Gegensatz zu D&D hier nicht zu den Attributen zählt) oder in Führung und Handwerk zu investieren, wobei ersteres der restlichen Gruppe diverse Boni gibt (quasi wie eine Aura des Führenden) und letzteres selbstredend die Handwerkfähigkeiten verbessert.
Zu jeder Fertigkeit kann man zu Beginn drei Anfangsfähigkeiten wählen.

 

Weiter geht es mit den Talenten. Welche Talente man wählen kann, hängt zum Teil davon ab, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten man gewählt. Es gibt zum Beispiel Talente, welche die Zauberreichweite erhöhen, die Rüstung verstärken oder Euch heilen, wenn der Charakter blutet oder in Blut steht. Hat man im Laufe des Spiels eine Fertigkeit "gemeistert" (sprich: die Fertigkeit auf Stufe 5 gebracht), werden weitere Talente zugänglich und die Spezialisierung des Charakters weiter unterstützen. So kann ein Waffenknecht der Stufe 5 das Talent "Zielsucher" wählen, welches den Verteidigungsmalus bei Flankenangriffen aufhebt.

Last but not least gibt es dann noch die Charakterzüge, die aber erst im Laufe des Spiels durch Reaktionen und Dialoge der Spielcharaktere ausgelöst werden. Eine Charakterzug-Gruppe besteht aus jeweils zwei gegensätzlichen Charakterzügen, zum Beispiel "selbstlos" und "egoistisch". Verhält man sich also selbstlos (Verzicht auf Belohnungen, den Schwachen helfen), so steigert dies den Charakterzug "selbstlos", welches den Ruf der Gruppe erhöht. Egoistische Charaktere bekommen einen Bonus auf das Tauschen. Noch ein Beispiel: "kühn" handelnde Charaktere bekommen einen Bonus auf die Initiative im Kampf, während es für umsichtige Charaktere einen direkten Bonus auf die Schleich-Fähigkeiten gibt.

Ein paar Worte zur Handlungs von Divinity: die beiden Charaktere, die der Spieler erstellt sind sogenannte "Quellenjäger". Der Orden der Quellenjäger ist eine Gruppierung, die sich dem Kampf gegen die verbotene "Quellenmagie" verschrieben hat. Im Auftrag des Ordens reist das Heldenduo per Schiff an die Küstenstadt Cyseal, um dort einen Mord an einem Ratsmitglied zu untersuchen, an dem vermutlich Quellenmagie eine Rolle gespielt haben könnte. Fast schon genretypisch startet das Duo an einem Strand vor Cyseal. Auf dem Weg zur Stadt wartet ein optionales Dungeon auf den Spieler, welches als Tutorial dient und die grundlegenden, spielmechanischen Besonderheiten erklärt.
Die Hauptgeschichte nimmt nur sehr langsam fahrt auf, den Spieler erwartet hier sicherlich keine cineastisch inszenierte Story wie zum Beispiel in Dragon Age 2, aber das ist auch gut so, denn so entfaltet sich die Stadt und die Spielwelt dem Spieler langsam aber intensiv. In Cyseal trifft der Spieler dann auch schon auf die beiden möglichen Partymitglieder Malora und Jarhan, so dass die Gruppe schon direkt zu Beginn voll ist (es sei denn man spielt wie weiter oben schon erwähnt als "Einsamer Wolf"). Auch das ist gut, denn so kann man seine Gruppe von Anfang an aufeinander abstimmen. [...]

Mein Fazit:
Mittlerweile ist es ein Jahr her, das ich D:OS durchgespielt habe. Zwischenzeitlich sind noch so einige große Rollenspiele erschienen, z.B. Dragon Age: Inquisition oder Pillars of Eternity, ein anderes Kickstarter-Projekt. Witcher 3 auch nicht zu vergessen, leider kann ich letzteres nicht beurteilen, da ich dieses Spiel kaum weniger als eine Stunde angespielt habe.
Was ich aber sagen kann: D:OS hat mir großartig gefallen. Knapp 90 Spielstunden habe ich in das Spiel gesteckt und selbst wenn mich die Story jetzt nicht außerordentlich stark gepackt hat, so hat doch das großartige Rundenkampfsystem meinen kompletten Spielspaß getragen. Weder Pillars of Eternity, welches sehr an die Retro-Gefühle der Baldur`s  Gate-Generation appelliert noch die neueste Dragon Age-Triple-A-Produktion von Bioware haben es mit Ihrer Kampfsystem-Spielmechanik geschafft, mich ähnlich zu motiveren.
Letztendlich sehe ich Divinity - Original Sin und Pillars of Eternity gleichauf . Ersteres bietet - wie schon erwähnt - das bessere Kampfsystem, letzteres hat die detailliertere Spielwelt und viel besser geschriebene Dialoge und Charaktere. Letztendlich muss man selber entscheiden, was einem in einem Computer-Rollenspiel wichtiger ist, mir haben beide Titel sehr viel Spaß gemacht. Da demnächst eine Extended-Edition von D:OS auch für PS4 und Xbox One ansteht, möchte ich an dieser Stelle diesen Titel jedem Rollenspiel- und Rundenkampf-Freund wärmstens ans Herz legen - für einen verregneten Herbsttag oder kalte Winterabende gibt es - neben einem schönen Schmöker - kaum etwas besseres.

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Spieleinfos:
Entwickler: Larian Studios / Publisher: Daedelic Entertainment
Plattformen: PC (Release: 30.06.2014) / PS 4, Xbox One (Release: 27.10.2015)
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