Montag, 1. September 2014

ClassicReview: Metal Gear Solid 3 - Snake Eater (PS3/HD Collection)


Naked Snake und ein eingetauschter Überläufer, der wieder überlaufen soll ...
Spoilerhinweis: der folgende Text beinhaltet einige Storyspoiler aus den ersten zwei bis drei Spielstunden (sprich: dem Prolog).
 
Für meinen zweiten Videospiel-Blogbeitrag habe ich mir einen Videospielklassiker herausgepickt. Es geht diesmal um Metal Gear Solid (MGS), genauer gesagt um Metal Gear Solid 3 - Snake Eater. Diese Videospielserie ist viele Jahre an mir vorbei gegangen, erst vor kurzem habe ich mit Metal Gear Solid angefangen und direkt darauf den Nachfolger Metal Gear Solid 2 - Sons of Liberty durchgespielt. Gespielt habe ich die MGS Legacy Collection. Diese enthält Metal Gear Solid 1-4 und Peace Walker (wobei Teil 1 als Downloadcode für den PSN-Store beiliegt und Teil 2,3 und Peace Walker der grafisch überarbeiteten HD Collection entsprechen).

Warum sind diese Spiele eigentlich an mir vorbeigegangen? Nun, zum einen bin ich nicht der größte Fan japanischer Spiele und insbesondere nicht sehr japanisch designter Charaktere (es gibt einige Ausnahmen, zB diverse Nintendo-Titel oder ältere Final Fantasy-Titel), zum anderen habe ich nie eine Playstation 1 besessen und mir die Playstation 2 erst lange nach Release der Playstation 3 zugelegt. Ich kam aus dem Nintendo-Lager und meine erste Nicht-Nintendo-Konsole war die erste Xbox und dort hat die Splinter Cell-Serie meine Schleichlust befriedigt. Das zuletzt erschienene Splinter Cell (Blacklist) war dann auch für mich der Grund, mir mal die "Konkurrenz" genauer anzuschauen - nicht etwa weil mich Blacklist wieder in Schleichlaune gebracht hat, sondern weil es mich so sehr enttäuscht hat (das habe ich dann auch relativ früh abgebrochen). Gut so, sonst hätte ich wohl immer noch keinen MGS-Teil gespielt.

H a n d l u n g:
Ein paar Sätze zur Handlung, wobei ich hier auf eine präzise Eingliederung in den gesamten MGS-Storykomplex verzichte (alleine darüber könnte einen eigenen Blog schreiben): Wir schreiben das Jahr 1964, es herrscht der Kalte Krieg. Der Spieler schlüpft dieses Mal in die Rolle von "Naked Snake" (später bekannt als Big Boss).  In der ersten Mission (die "Virtuose Mission") muss Snake den Wissenschaftler Sokolov, welcher derzeit eine mobile atomare Raketenabschussplattform für die Sowjets entwickelt, aus der Sowjetunion wieder zurück in die USA bringen. Sokolov war bereits zu den Vereinigten Staaten übergelaufen, wurde aber im Tausch gegen die Raketenabrüstung in Kuba wieder an die Sowjets ausgehändigt. Diese "Virtuose Mission" geht gewaltig schief, Snakes Mentorin "The Boss" läuft während der Mission zu der sowjetischen GRU über (die auch hinter Sokolov her sind) und bringt der GRU als Willkommensgeschenk zwei experimentelle Atombomben mit, davon wird auch direkt eine Bombe auf Sokolovs Forschungszentrum abgefeuert. Es folgt ein Vorspann, der einem James Bond-Film in nichts nach steht. Nach diesem cineastischen Prolog voller Verrat, Intrigen und Action ist der Spieler perfekt darauf eingestimmt, was in den nächsten zwölf bis 14 Spielstunden passiert.

Nicht allzu virtuos gelaufen, diese Mission ...

Wie schon in MGS 1 und 2 präsentiert auch Teil 3 seine Story mit ausufernden Cutscenes, Funkgesprächen und Flashbacks. Wer die Vorgänger gespielt hat, weiß was ihn erwartet. Nicht selten übertreibt es der Game Director Hideo Kojima und degradiert den Spieler oftmals für mehrere Minuten zum Zuschauer, aber die meiste Zeit stimmt die Regie - ist sogar manchmal überragend gut - und versöhnt den Spieler damit für gewisse Storylängen.

Nicht nur der MGS3-Vorspann erinnert an James Bond, auch die Motorad-Mieze Eva erinnert an die Bond-Girls und zeigt jede Menge Haut ...
 
G a m e p l a y:
Neben der ausufernd erzählten Story und den durchaus markanten Protagonisten und Antagonisten punktet MGS 3 auch beim eigentlichen Gameplay. MGS 3 ist ein Schleichspiel - oder auch Stealth-Shooter. Ziel in den verschiedenen Missionen ist es, möglichst ungesehen hinter die feindlichen Linien zu gelangen ohne die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich zu ziehen und ohne Spuren zu hinterlassen. Dabei gibt MGS 3 dem Spieler jede Menge Gadgets in die Hand, zum Beispiel Bewegungsmelder, Infrarot-Kamera, Betäungspistole, Blendgranaten, Abhörgerät, Minen - um nur einige zu nennen. Ein umfangreiches Waffenarsenal gibt es auch, so dass auch einer unsubtilen Rambo-Methodik nichts im Weg steht - aber will man so ein MGS spielen? Ich jedenfalls nicht. An einem gewissen Punkt im Spiel wird man sogar für jeden getöteten Gegner bestraft. 
Die beste und effizienteste Methode bleibt aber nicht gesehen zu werden. Sollte doch mal ein Gegner im Weg sein, lässt er sich entweder durch einen gezielten Kopftreffer mit der Betäubungspistole oder von hinten im Nahkampf außer Gefecht setzen. Mit Hilfe des Steuerkreuzes schleicht man sich lautlos an seine Gegner heran und mit einem leichten Druck auf die Kreistaste nimmt Snake sein Opfer in den Schwitzkasten. Der so überwältigte Gegner lässt sich nun entweder durch mehrmaliges Drücken der Kreistaste betäuben, durch drücken des linken Analogstocks verhören (dabei geben die Gegner manchmal hilfreiche Informationen zu der Umgebung und zu versteckten Vorräten), durch festes drücken der Kreistaste töten oder man kann ihn als menschlichen Schutzschild einfach vor sich her führen.
Ein großer Unterschied zu den Vorgängern: MGS3 erlaubt dem Spieler erstmals, die Kamera hinter der Hauptfigur zu platzieren. Das ist eine große Wohltat, denn die Top-Down-Perspektive der Vorgänger war schon in MGS2 nicht mehr zeitgemäß und hat bei mir oftmals für Frustmomente gesorgt.

Da MGS 3 die meiste Zeit und ganz im Gegensatz zum Vorgänger in der freien Natur spielt (Dschungel, karge Berglandschaft), muss man sich noch mit einem anderen Aspekt auseinandersetzen: dem Überleben. Neben der klassischen Lebensenergie gibt es auch die Ausdauer, die konstant abnimmt (bei größeren Anstrengungen sogar schneller). Je tiefer die Ausdauer sinkt, desto schlechter heilt sich Snake und desto schwieriger wird das Zielen mit der Waffe. Dagegen kann man nur eines tun: Essen. Nahrung findet man ab und zu in Form von Vorräten (Instant Nudeln, Proviant Packs) oder eben in der Flora und Fauna der Landschaft. Man kann Schlangen, Ratten, Kaninchen oder andere Tiere jagen, doch vorsicht: man sollte die getöteten Tiere nicht zu lange mit sich herumschleppen, denn irgendwann fängt das Fleisch an zu faulen und faules Fleisch bekommt Snake nicht gut. Daher empfiehlt es sich, Tierfleisch baldmöglichst zu verzehren oder bis zu drei Tiere lebend auf Vorrat zu fangen, diese halten sich dann nämlich ewig.

Das Nahrungsmenü. Guten Appetit!
 
Doch damit noch lange nicht genug Survival-Management, denn im Tarnungsmenü lässt sich die Kleidung und die Gesichtsbemalung anpassen, was oftmals dringend nötig ist. Wer sich gerne stehend an Bäumen versteckt setzt logischerweise auf ein Baumrindenmuster, Blattmuster eignen sich gut für Büsche und in der Dunkelheit ist komplettes Schwarz ein gern gewählter Klassiker. Während seiner Mission findet Snake noch weitere Tarnanzüge und Gesichtsbemalungen. Der jeweilige effektive Tarnungsgrad wird immer prozentual oben rechts im Spielbildschirm angezeigt. Außerdem sollte dem Spieler stets bewusst sein, dass Snake beim Laufen oder Schleichen Fußspuren hinterlässt. Es kann also durchaus sein, das ein Gegner die Spuren entdeckt und Snake direkt in das jeweilige Versteck folgt.

Weiter geht es im Survival-Einmaleins: auch Verletzungen werden in MGS 3 anders gehandhabt als in den Vorgängern. Es gibt zwar immer noch vereinzelt klassische, über das Schnellmenü verwendbare Medizin zur Heilung, aber bei Verletzungen sollte man lieber in den Heilungsbildschirm wechseln. Dort werden alle Verletzungen von Snake angezeigt (inklusive Röntgenansicht) und man kann auf ein Repertoire verschiedener Medikamente oder chirugischer Hilfsmittel zurückgreifen. Eine Schnittwunde sollte zuerst desinfiziert, dann genäht und zum Schluss verbunden werden. Hierzu braucht man logischerweise Gegenstände wie Desinfektionsmittel, Nadel und Faden sowie Verbandszeug. Eine Grundaustattung an Erste Hilfe-Zubehör hat Snake dabei, weitere Materialen findet Snake im Laufe der Missionen - das Erkunden von Gebäuden oder feindlichen Lagern lohnt sich daher immer. Die Reihenfolge bei der Behandlung ist übrigens unwichtig, man kann eine Schnittwunde auch zuerst nähen, verbinden und zum Schluss desinfizieren, da nimmt es das Spiel nicht so genau.

In diesem Menü lassen sich sämtliche Verletzungen verarzten - Snake lässt sich hier übrigens auch zum Übergeben animieren ...
 
Eine anderes großes Highlight und auch wohl das stärkste Alleinstellungsmerkmal von MGS sind die spannend inszenierten Bosskämpfe. Schon im Prolog werden diese Bösewichte präsentiert und spätestens dann ist auch klar, wie "anders" MGS hier im Vergleich zu Splinter Cell tickt, denn sie könnten direkt einem Marvel-Comic entsprungen sein und hören auf so bezeichnende Namen wie "The Fury", "The Sorrow" oder "The Pain" und haben allesamt übernatürliche Fähigkeiten. "The Pain" zum Beispiel hat einen Hornissenschwarm im Schlepptau. Diesen nutzt und manipuliert er, um Snake damit anzugreifen oder einen Schutzschild aus Hornissen um sich zu bilden. Um hier erfolgreich zu sein, sollte man sich die verschiedenen Phasen der Bossgegner gut einprägen und auch Gegenstände wie das Infrarot-Sichtgerät erleichtern einige Bossfights enorm.

Die Bossgegner - hier "The Pain" - sind auch in MGS3 ein herausstechendes Highlight ...

Vielleicht noch ein paar Worte zur Technik: MGS3 ist jetzt schon rund 10 Jahre alt, die HD-Version auf der PS3 und Xbox360 wurde - abgesehen von der deutlich höheren Auflösung (720p @ 60fps) - nicht großartig verändert. Große Farbkontraste wird man hier nicht finden, es überwiegen braune und grüne Farbtöne (passend zur Dschungelthematik, wie auch gut auf den Bildern zu erkennen) - auch wieder ganz im Gegensatz zu Splinter Cell, welches stark auf Beleuchtungseffekte und auf kontrastreichere Farben setzt.

M e i n   F a z i t:
Nachdem ich nun die ersten drei MGS-Teile durchgespielt habe kann ich sagen: Metal Gear Solid 3 - Snake Eater hat mir bislang am besten gefallen. Die Schleichmechanik funktioniert für mich dank der neuen Kameraperspektive besser als in den Vorgängern, den Überlebens- und Tarnungsaspekt im Dschungel empfand ich überwiegend als Bereicherung und die Story befand sich sogar noch gegen Ende im Bereich des für mich Nachvollziehbaren (was ich von MGS2 nicht behaupten kann). Loben möchte ich hier explizit den selbstreferentiellen Humor und den Hauch von 60er-Jahre James Bond-Flair, beides versöhnt für so manch zu dick aufgetragene Story- oder Charaktersituation.
Obwohl dieses Spiel nun schon eine Dekade auf dem Buckel hat, kann ich bestens verstehen warum MGS bei vielen Spielern einen so hohen Stellenwert besitzt. Ich werde jedenfalls dran bleiben und freue mich schon auf die nächsten MGS-Teile, wobei ich sicherlich Teil 4 oder Peace Walker noch in diesem Jahr angehen werde.

 
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Spieleinfos:
Entwickler: Kojima Productions / Publisher: Konami
Plattformen: PS 2 (Release: 03.03.2005) / PS 3, Xbox360 (Release: 03.02.2012)
Mobile Plattformen: PS Vita (Release 28.06.2012) / 3DS (08.03.2012)
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