Donnerstag, 14. August 2014

Review: The Last of Us - Remastered (PS4)


Willkommen in Pittsburgh ...

Die Playstation 3 war meine erste Playstation, daher bin ich auch erst recht spät mit den Spielen des Entwicklerstudios "Naughty Dog" in Berührung gekommen. Auf der Playstation 3 waren Uncharted - Drakes Fortune und Uncharted 2 - Among Thieves auch direkt meine ersten Spiele und seitdem bin ich ein großer Naughty Dog-Fan.
Ich war schon überrascht, als Naughty Dog The Last of Us angekündigt hat und anscheinend in die meiner Meinung nach bereits mit Videospielen überfüllte Survival/Zombie-Sparte vordringen wollte - riesige Begeisterungsstürme meinerseits sind damals ausgeblieben. Ich wollte lieber sofort ein Uncharted 4! Trotzdem: The Last of Us hat mir vor einem Jahr sehr gut gefallen, und jetzt, in der aktuellen Remastered-Fassung für die Playstation 4 gefällt es mir noch besser.
Meine aktuelle Begeisterung liegt in erster Linie sicherlich nicht nur an den technischen Verbesserungen der Remastered-Fassung gegenüber der Playstation 3-Version, aber die überwiegenden 60 fps und das deutlich geringere Kantenflimmern verbessern das visuelle Gesamtbild doch merklich. Viel mehr habe ich meine persönliche Enttäuschung darüber, dass Naughty Dog erst mal doch kein Uncharted 4 bringt, überwunden und mich jetzt vollkommen auf The Last of Us eingelassen.
 
Die meiste Zeit verbringt der Spieler in der Rolle von "Joel" ... 
 
The Last of Us erinnert mit seiner Welt- und Story-Konzeption an McCarthy's "The Road" und Kirkman's "The Walking Dead", ist dabei aber erstaunlich eigenständig. Man bekommt im Prolog als Joel bzw. Joel's Tochter den Ausbruch einer Cordyceps-Pilzepidemie direkt mit und springt nach einem weiteren Schicksalsschlag 20 Jahre in die Zukunft; in ein postapokalyptisches Amerika, wo Millionen Menschen von der Epidemie hingerafft wurden oder zu einer Art Zombie mutiert sind. Die Menschheit lebt in militärisch abgesicherten Quarantänezonen, inklusive Ausgangssperre und stark rationiertem Zugang zu Lebensmitteln und außerhalb der Zonen brennt ein gnadenloser Kampf ums Überleben. Dem Gegenüber stehen die "Fireflies", eine Art Unabhängigkeitsbewegung oder "Rebellen", die letztendlich für die Protagonisten der Grund einer Reise durch ganz Amerika werden, da die Fireflies gerüchtehalber nach einem Heilmittel gegen die Cordyceps-Epidemie suchen und die Protagonistin Ellie, auf die Joel im ersten Spieldrittel trifft, diese Forschung maßgeblich voranbringen könnte.
 
Die Levels sind linear, aber sehr hübsch und detailverliebt und bieten genug Raum für Erkundungen ...
 
In diesem Durchgang spiele ich auf "Schwer" und ich bin überrascht, wie viel Spaß mir das eigentliche Gameplay macht. The Last of Us vereint hier Exploration in wirklich toll designten, linearen Levels mit Kämpfen, die dank des Munitionsmangels sehr intensiv sind und mich ständig unter Druck setzen. Daher ist es zu empfehlen, so häufig wie möglich unentdeckt vorzugehen, um die diversen Gegner von hinten (hoffentlich lautlos und ungesehen) zu erledigen. Hier erlaubt sich Naughty Dog aber noch einen schönen Kniff: vollständig mutierte Humanoide, die sogenannten "Clicker", lassen sich nur mit dem Einsatz von in der Haltbarkeit beschränkten Waffen (oder eben munitionabhängigen Schusswaffen) erledigen, während sich normale Menschen oder nur im Anfangsstadium Infizierte ohne Einschränkung von hinten erledigen lassen. Ein inflatiöses Abmeucheln ist damit nicht uneingeschränkt möglich, man muss also auch beim Meucheln gut mit seinen Ressourcen (Messer, Ziegelsteine) umgehen. Man wird nie übermächtig, jeder Kampf bleibt intensiv und spannungsgeladen. Besonders hervorheben möchte ich auch noch mal die Exploration: während man in der Uncharted-Reihe nur Schätze finden konnte (letztendlich für Achievements & Completionists), belohnt The Last of Us die Erkundungen mit wichtigen Ressourcen für Waffen, Items und Upgrades. Genau so motiviert man Spieler wie mich, auch wirklich jede Ecke der Levels zu erforschen. Das Crafting- und Upgrade-System ist simpel, aber spaßig. So baut man sich Molotov-Cocktails, Medipacks, Rauchbomben, Messer oder Verbesserungen von Schlagwaffen aus gefundenen Ressourcen. Mit eingesammelten "Pillen" kann man diverse Charakterwerte dauerhaft verbessern (z.B. eine ruhigere Hand beim Zielen oder mehr Gesundheit). Die Schusswaffen kann man gegen Ressourcen hingegen nur an speziellen Werkbänken verbessern, die man sporadisch in den Levels findet. Hier lässt sich dann zum Beispiel die Magazinkapazität vergrößern, der Schaden erhöhen oder der Rückstoß verringern.
 
Auch die Innenräume überzeugen mit einer unglaublichen Detailverliebtheit und toller Beleuchtung ...
 
Das motivierende und intensive Gameplay ist eine von zwei Säulen, auf denen The Last of Us steht und brilliert. Die andere Säule ist die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, Ellie und Joel. Naughty Dog haben ein Händchen für Charaktere, das haben sie schon mit den Uncharted-Spielen bewiesen. Während dort aber alles sehr seicht und durchaus auch gewollt hollywood-klischeehaft gezeichnet wurde, blickt man in The Last of Us viel tiefer in die Charaktere hinein und erlebt hautnah mit, wie sich zwischen Joel und Ellie eine intensive Beziehung aufbaut, vielleicht mit die intensivste und emotionalste der letzten Jahre in Videospielen, in Teilen sogar vergleichbar mit Clementine und Lee aus der ersten Staffel von Telltales' "The Walking Dead". Während Clementine dort aber eher das zu beschützende "Küken" ist, ist Ellie um einiges tougher: sie weiß mit Waffen umzugehen, geht Joel in brenzligen Situationen und Kämpfen helfend zur Hand und wirkt teilweise sogar erschreckend erwachsen und reif, dann aber wieder herzallerliebst wenn sie sich über gefundene Comics freut oder nach mehreren Spielstunden endlich herausfindet, wie man richtig pfeift. Weder Ellie noch Joel wirken dabei aber zu tough oder zu cool - im Rahmen ihrer Schicksale und der Infektion, welche die Welt verändert hat, wirken sie stets glaubwürdig.
 
TLoU Remastered sieht einfach hervorragend aus ...
 
Wie eingangs schon erwähnt: technisch kann mich die Remastered-Fassung überzeugen. Das Spiel sieht toll aus, das grafische Gesamtkonzept passt hervorragend. Sicherlich: das Spiel sieht nicht hundertprozentig nach "Next Gen" aus, in der Ferne gibt es immer noch mal etwas Kantenflimmern und manche weit entfernte Hintergründe sehen seltsam pixelig aus (z.B. die Berge beim Campus in Colorado), aber das sind kleine Unstimmigkeiten, die zwischen dem tollen Gameplay und den großartigen Charakteren komplett an Bedeutung verlieren.
 
The Last of Us - Remastered bekommt in meiner Spielesammlung einen ganz festen Platz. Das will schon etwas heißen, denn im Moment trenne ich mich von vielen Spielen und Spielepackungen und habe mir vorgenommen, wirklich nur noch die Spiele (physisch) in meiner Sammlung stehen zu haben, die mich voll überzeugen und die ich sicherlich noch mehrmals spielen werde. In diese Kategorie passt The Last of Us perfekt hinein: diese intensive Reise mit zwei tollen Charakteren durch ein postapokalyptisches Amerika werde ich sicherlich noch einige Male antreten.
Durchaus bemerkenswert finde ich übrigens auch den Umfang des Spiels. Während in einem Uncharted nach rund 10 Stunden die Credits über die Bildschirm rollen, kann The Last of Us hier mit gut 18 Stunden Spielzeit aufwarten (natürlich abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad) - und das ohne spielerische Längen. Das ist für ein lineares (Action-)Spiel durchaus beachtlich.
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Spieleinfos:
Entwickler: Naughty Dog / Publisher: Sony Computer Entertainment
Plattformen: Playstation 3 (Release: 14.06.2013) / Playstation 4 (Release: 30.07.2014)
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